Enteignen! - Das Problem der gesellschaftlichen Ungleichverteilung, und wie man es lösen könnte

von Guenther Sandleben

Das Thema Ungleichverteilung von Reichtum beherrscht internationale Debatten, dicke Bücher sind dazu erschienen, unendlich viele Kommentare und Artikel entstanden, es hat Parteitage, Gipfeltreffen und Konferenzen dominiert. Einig ist man sich zumindest in drei Punkten:

Erstens ist die Ungleichverteilung von Vermögen und Einkommen seit Anfang der 1980er Jahre so gut wie in allen Ländern größer geworden. Vor allem das oberste eine Prozent der Gesellschaft konnte in hohem Maße Vermögen und Einkommen konzentrieren. Nach Informationen der internationalen Nothilfe- und Entwicklungsorganisation Oxfam besitzt ein Prozent der Weltbevölkerung fast die Hälfte des globalen Vermögens.

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Der Präsident, die Produktion und der Sex

von Horst Schulz

Im Oktober 2015 hat sich der deutsche Bundespräsident Joachim Gauck zur „Woche der Welthungerhilfe“ an seine lieben „Mitbürgerinnen und Mitbürger“ gewandt und uns mitgeteilt, „die Nachrichten, die uns täglich aus vielen Teilen der Welt erreichen, zeichnen ein schreckliches Bild des Elends und der Verzweiflung. Und die Vereinten Nationen zählen beinah 60 Millionen Menschen, die auf der Flucht sind, vor Hunger und Krankheit, vor Krieg, Bürgerkrieg und Verfolgung. Ein bedrückender Höchststand ist das. Wie können wir diesen Menschen helfen? Kann eine Spende etwas ausrichten? Ja, sie kann![1]

Kann man da widersprechen? Ja, man kann. Muss man einer solchen Heuchelei nicht sogar entgegentreten, wenn man eine Welt ohne Hunger und Elend für ein vernünftiges Anliegen hält?

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Aktuelle Konjunktur- und Krisentheorien – ein kritischer Überblick

von Guenther Sandleben

Die große Wirtschaftskrise von 2008/09 hat nur für kurze Zeit das Interesse an einem tieferen Verständnis der zyklischen Krisen geweckt. Professoren der Ökonomie reagierten zunächst mit dem Eingeständnis, die Grundlagen der Wirtschaftstheorie seien fragwürdig und müssten überprüft werden, um auf diese Weise Krisen endlich erklären zu können. Andere wiederum meinten, in der keynesianischen Theorie schon eine zufriedenstellende Grundlage zur Erklärung der Krisensituation gefunden zu haben.

Mit der Stabilisierung des Weltmarktes seit Mitte 2009 sind die guten Absichten rasch verflogen. Alles geht weiter wie bisher. Die Lehre von der Harmonie und dem Gleichgewicht der Märkte dient nach wie vor dazu, Krisen als externe Schocks, als extern auftretende, zufällige Ereignisse zu verharmlosen.

Die linksorientierte Krisendiskussion fällt kaum weniger enttäuschend aus. Schon lange vor der großen Krise geriet sie in eine theoretische Sackgasse, als sie die Erkenntnisse der 1970er Jahre über Bord warf und mehr und mehr die Ursachen für das Krisengeschehen jenseits der kapitalistischen Warenproduktion suchte, vor allem in den angeblich neuen Entwicklungstendenzen auf den Finanzmärkten. Die Theorie vom „finanzmarktgetriebenen Kapitalismus” lief auf die Vorstellung hinaus, dass eine weitgehend intakte Produktionswirtschaft durch die Macht und den Verwertungszwang der Finanzmärkte in eine Krise gestürzt werde.

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Woher das Geld kommt: Das Geld der Sahra Wagenknecht kommt „aus dem Nichts“

Eine weitere Bemerkung zu „Freiheit statt Kapitalismus[1]“.

Von Horst Schulz

Ihr hochmütiges Desinteresse den Anstrengungen und Errungenschaften der sozialistischen Wissenschaft gegenüber könnte Sahra Wagenknecht kaum besser demonstrieren als durch ihren Beifall heischenden Vorwurf an die Adresse der Finanzleute. Bei ihren bürgerlichen Autoritäten[2] hat sie ihn abgeschrieben: „Geld aus dem Nichts“ machen die „Bankster“ nach ihrem Urteil! Kaum ein Gegenstand ist in den letzten Jahrzehnten von linken Politökonomen und unter Berufung auf Karl Marx schulmeisterlich dermaßen hin und her gewälzt worden wie das Geld, und tatsächlich hat ja ihre Berufungsinstanz mit glänzendem Erfolg Jahre lang daran gearbeitet, eine viele Jahrzehnte dauernde wissenschaftliche Diskussion zu einem überzeugenden Ergebnis zu führen. Einmal entziffert, war die Natur des Geldes ebenso einfach zu lernen wie der Lehrsatz des Pythagoras, nachdem er einmal entdeckt worden war. Sahra W. aber ist eine strebsame Ökonomin, die längst gehobene Schätze der Wissenschaft gerne ignoriert, wenn man mit Modeschmuck einfach besser auffallen kann:

„Wie entsteht heute (!) Geld? Im Grunde aus dem Nichts, einfach dadurch, dass eine Bank einem Kunden Kredit gewährt“ (67).

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Knechtschaft als Freiheit

Am 05.03.2015 um 19:30 Uhr predigt Frau Sahra Wagenknecht in Marl:
„Freiheit statt Kapitalismus - Über vergessene Ideale, die Eurokrise und unsere Zukunft“.
Nichts wie hin: http://www.sahra-wagenknecht.de/de/topic/35?id=886

Randbemerkungen über die seltsame Verkehrung des Sozialismus in eine kapitalistische Heilslehre - bei einer linken Linken. 

von Horst Schulz

„Freiheit statt Kapitalismus[1]“ ist der Titel und die dunkle Botschaft auch ihres Buches, mit dem Frau Wagenknecht ihren Lesern nun bereits seit Jahren schon einen „kreativen Sozialismus“ nahe bringen möchte. Ein Schwindel der besonderen Art liegt nahe oder ist jedenfalls nicht gut ausgeschlossen, wenn diese tonangebende Befreiungsexpertin der Linkspartei verbissen um Zustimmung wirbt. Was denn sonst ist der Kapitalismus als die Freiheit der „Unternehmer“, die Ausbeutung der freien Lohnarbeiter zu unternehmen? Totale Freiheit überall! Man sollte nicht glauben, die Frau Wagenknecht möchte irgendeinen Beitrag leisten zur Emanzipation einer in Ketten liegenden proletarischen Klasse, wenn sie „Freiheit statt Kapitalismus“ fordert. Eine solche Klasse wird nicht erwähnt in ihrem Beitrag! Welche Freiheit also ist gemeint in dem Buch, dessen sensationeller Erfolg einen erneuten Blick hinein nicht ganz überflüssig macht? Nicht nur bewirbt sie ihr Buch noch immer leibhaftig auf Vortragsreisen, mit den dort formulierten Gewissheiten hat sie längst auch die besten Sendeplätze der bürgerlichen Medien eingenommen. Das will erklärt sein: Sozialismus im Handelsblatt, in der F.A.Z, in der ARD, im ZDF usw.

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Neue Landnahme? Die falschen VerehrerInnen Rosa Luxemburgs – eine Schwindelhochzeit

von Guenther Sandleben

Die Linke tut sich schwer mit dem Erbe Rosa Luxemburgs. Rechte Sozialdemokraten würden damit am liebsten gar nichts zu tun haben. Das revolutionäre Erbe empfinden sie als unangenehme Belastung ihrer eigenen Tradition, die darin besteht, die Lohnabhängigen in das kapitalistische System zu integrieren. Mit der Niederschlagung der deutschen Revolution und der Ermordung von Luxemburg und Karl Liebknecht lieferten sie den historischen Beweis, dass sie bereit sind, entschlossene Kämpfe gegen das Lohnsystem im Blut zu ersticken.

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Bourgeoisie

von Guenther Sandleben

Nachfolgende Analyse führt zu einem Klassen-Begriff, der fast schon in Vergessenheit geraten ist und nur noch gelegentlich Verwendung findet. Unter “Bourgeoisie” werden die besitzenden Klassen verstanden. Ihr gemeinsames Interesse zeigte sich besonders deutlich, als sie auf dem Höhepunkt der Krise im Herbst 2008 mit Hilfe ihres Staates alles unternahm, ihr marodes Wirtschafts- und Gesellschaftssystem aufrechtzuerhalten.  Radikale Spar- und Verelendungsmaßnahmen in mehreren Ländern Europas sind ein aktueller Beleg dafür, auf welch brutale Weise die jeweiligen nationalen Bourgeoisien ihr gemeinschaftliches Interesse gegenüber der breiten Masse der Bevölkerung durchzusetzen.

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Euro am Ende!

von Guenther Sandleben

Währungsunion und politisches Euro-Krisenmanagement stecken in einer derart tiefen Krise, dass ein Überleben der Gemeinschaftswährung immer unwahrscheinlicher wird. Der Europäischen Währungsunion scheint eine selbstzerstörerische Kraft innezuwohnen, die sich selbst politisch nicht bändigen lässt. Was sind die Sprengsätze der Währungsunion und warum tut sich die Politik trotz großer Anstrengungen so schwer, eine Lösung zu finden?

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Mythos Bankenmacht - Warum die Thesen von einer besonderen Verfügungsgewalt der Finanzinstitute über Industrie und Handel falsch sind

von Guenther Sandleben

Dass Banken als besonders mächtig gelten und dafür gescholten werden, hat viel mit ihrer Funktion und ihrer besonderen Stellung in der Wirtschaft zu tun. Der Bankensektor ist nicht einfach nur eine Verwertungssphäre des Kapitals, ein Wirtschaftszweig unter anderen. Banken stellen einen gemeinsamen Bezugspunkt für alle dar, indem sie für die gesamte Gesellschaft den Zahlungsverkehr abwickeln, deren Gelder einsammeln und diese zu großen Massen konzentrieren, so dass statt des einzelnen Geldverleihers sie den Kredit vergeben. Auf diese Weise erhält das zu verleihende Geldkapital einen allgemeinen gesellschaftlichen Charakter, organisiert und vertreten durch die Bank.

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Kapitalistische Demokratie: Zur Politik des Kapitals in der gegenwärtigen Krise

von Guenther Sandleben

Krisen bringen gewöhnlich mehr Licht in die verdunkelten, inneren Zusammenhänge von Politik und Wirtschaft. Dies gilt besonders für die gegenwärtige, nicht enden wollende Krise mit ihren zahlreichen widersprüchlichen politischen Interventionen, die von Rettungs- und Konjunkturprogrammen bis hin zu harten Sozialeinschnitten und offenen Repressionen reichen.

Untersuchen wir entlang einiger Ereignisse in Europa etwas näher die Querverbindungen zwischen Politik und Wirtschaft und fragen wir nach der Bedeutung, die Demokratie und Ideologie als Vermittlungsformen besitzen.

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