Trends

Anmerkungen zum Marxschen Sozialismusbegriff

von Guenther Sandleben

In seiner Kritik des Gothaer Programms unterscheidet Marx nach der „Periode der revolutionären Umwandlung” zwischen einer ersten Phase einer kommunistischen Gesellschaft, die noch etliche „Muttermale der alten Gesellschaft” besitzen würde und wo sich die Verteilung der individuellen Konsumgüter nach der geleisteten Arbeitszeit richte und einer „höheren Phase der kommunistischen Gesellschaft”, in der die Arbeit „erstes Lebensbedürfnis” geworden sei und wo die Verteilung nach den Bedürfnissen erfolge. Wichtig ist zunächst, dass beide Phasen weder Ware noch Geld kennen, dass also zusammen mit dem Wertgesetz die tiefsten Wurzeln von Kapitalismus und Krise beseitigt sind.

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Mythos Finanzmarktkrise

von Guenther Sandleben

Die gegenwärtige Krise ist die schwerste seit der Weltwirtschaftskrise von 1929/32 – ihr Ende ist nicht absehbar. Aber sie wird erstaunlich harmlos interpretiert, als Finanzkrise, die nun auf die Realwirtschaft überspringt. Diese Interpretation ist Konsens, im bürgerlichen Lager, aber auch bei einem Großteil der „Linken“.

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Wo bleibt die Opposition?

von Guenther Sandleben

Generalstreiks in Griechenland und Italien, Dauerrevolte in Athen – wo bleibt der Widerstand in Deutschland?

Unter dem Druck der Krise haben alle Klassen und Parteien eine merkwürdige Allianz gebildet. Klassenunterschiede und Gegensätze scheinen auf einmal nicht mehr zu existieren. Wo bleibt die Opposition?

Alle sitzen am „Tisch der gesellschaftlichen Vernunft“, einer Vernunft, die ganz der kapitalistischen Logik folgt. Subsumiert unter dieser Vernunft sitzen sie dort ähnlich vereint wie einst unter Karl Schiller, der ab Februar 1967 die „konzertierte Aktien“ als Burgfriedenspolitik zur Beseitigung der bis dahin schwersten Wirtschaftskrise der Nachkriegszeit einsetzte. In der heutigen, weitaus schwereren Wirtschaftskrise reicht das gemeinsame Ziel weiter: Wie lassen sich Finanzkrise und Konjunktureinbruch so abfedern, dass ein Zusammenbruch des kapitalistischen Systems verhindert wird.

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Crash & Crisis. - Bankenkrach, Wirtschaftskrise, Dollar-Crash

von Guenther Sandleben

Spätestens seit der spektakulären Pleite der US-Bank Lehman Brothers und der Beinahe-Pleite des US-Versicherungsriesen AIG redet die Finanzwelt von der „schlimmsten Finanzkrise seit der Großen Depression 1929/1932“. Von der US-Notenbank Fed erhielt AIG gegen die Option auf eine 80-prozentige Beteiligung den dringend benötigten Kredit von 85 Mrd. US-$. In diesem Jahr sind bereits elf Finanzinstitute in Amerika Bankrott gegangen; von den fünf großen Investmentbanken sind noch zwei übrig geblieben, Goldman Sachs und Morgan Stanley. Unter dem Druck der Kreditkrise gaben selbst diese verbliebenen US-Investmentbanken ihren Sonderstatus auf und sind nun gewöhnliche Kreditbanken. Alan Greenspan, der ehemalige Präsident der US-Notenbank Fed sprach im US-Fernsehsender ABC News von einer Krise, wie sie nur alle 50 bis 100 Jahre vorkommt. „Das übertrifft ohne Zweifel alles, was ich je gesehen habe, und es ist längst noch nicht überwunden“.

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„Sozialismus des 21. Jahrhunderts“: Mehr Schein als Sein - Über den bürgerlichen Gehalt in der aktuellen Sozialismusdebatte

von Guenther Sandleben

Zusammenfassung: In der aktuellen Sozialismusdebatte gibt es zwei Richtungen. Der Sozialismus, den Crome und andere, darunter Michael/André Brie und Oskar Lafontaine für das 21. Jahrhundert vorsehen, erweist sich als Blendwerk; er ist nur ein historisch verklärter Kapitalismus, eine Illusion über die Vergangenheit, die in ein Zukunftsmodell umgesetzt wird. Ein solcher Sozialismus ist seiner Natur nach bürgerlich.

Im Gegensatz dazu nimmt der Verteilungssozialismus (Cockshott, Cottrell, Dieterich, Peters, Hoss) die Umwälzung der gegebenen Produktions- und Distributionsverhältnisse ins Visier. Allerdings zeigt sich auch, dass selbst dieser Sozialismus die Entfremdung des Menschen nur verkleinert, nicht aber abzuschaffen vermag. Sein Dogma von der Unverzichtbarkeit des Wert- und Geldbegriffs ist keineswegs nur ein theoretischer Irrtum. Es kennzeichnet einen Sozialismus, der in der bürgerlichen Welt stecken geblieben ist und den nicht überwundenen Teil dieser bürgerlichen Welt als historisch nicht zu beseitigende, ewig gültige gesellschaftliche Form deklariert. Im verbliebenen Wert- und Geldbegriff drückt sich eine noch entfremdete Arbeit aus, die sich wegen der Fortexistenz einer gewissen Art von Privateigentum ihre sachlichen Produktivkräfte noch nicht unmittelbar aneignen kann.

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Eine andere Welt ist nötig: Wie könnte sie aussehen?

von Guenther Sandleben

Eine andere Welt ist möglich und sie ist nötig. Die Widersprüche haben sich derart zugespitzt, dass die breite Masse der Bevölkerung einen grundlegenden Wandel herbeiführen muss, will sie nicht inmitten des Reichtums, der noch nie so groß war wie heute, weiter verelenden. Derzeit beinhaltet jede Reform einen sozialen Rückschritt: Sie mehrt die Not, obwohl die Quellen des Reichtums von Jahr zu Jahr ergiebiger sprudeln. Statt die Früchte ihres Reichtums zu genießen, werden die Menschen gezwungen, länger und intensiver bei weniger Lohn zu arbeiten. Die Peitsche, die den modernen Lohnsklaven antreibt, besteht nicht nur im unmittelbaren Zwang, der im Betrieb durch Vorgesetzte vermittelt wird, sondern auch in der Angst, arbeitslos zu werden. Die Sorge, sozial abzustürzen, ist allgegenwärtig.

Die Arbeitslosigkeit wirklich zu mindern, kann deshalb kein ernsthaftes Ziel einer Regierung sein. Heuchelei auch hier. Denn die “Reformen” bewirken das Gegenteil: Verlängerung der Arbeitszeit, Verschiebung des Renteneintrittsalters und die verschärfte Arbeitshitze erhöhen bei gleicher Arbeitsmenge die Arbeitslosigkeit. Zudem geraten die Beschäftigten um so mehr unter Druck, je schlechter es den Arbeitslosen geht, die dann in ihrer Not bereit sind, jede Arbeit selbst zum niedrigsten Lohn anzunehmen. Die politischen “Reformen” haben System: Sie steigern den Profit durch Verelendung derjenigen, die den Reichtum produzieren. Dies ist das Motte einer kapitalistischen Ökonomie.

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Die Fünf-Stunden-Woche – Argumente für eine andere Gesellschaft. Eine Rezension

Guenther Sandleben

Kritisches Denken hat es heutzutage nicht einfach, Aufmerksamkeit in der Öffentlichkeit zu erobern. Da stehen Bataillone von Journalisten, Publizisten, Parteibonzen, Politiker etc. bereit, um den Schmerz und das Elend dieser Welt zu verschweigen oder als naturnotwendig zu rechtfertigen. Geistige Autoritäten werden durch Vergabe von Nobelpreisen, öffentliche Würdigungen, durch besondere Titel und natürlich durch hohe Gehälter mit großem Erfolg aufgebaut, vor denen alles kritische Denken ehrfurchtsvoll zurückweichen soll.

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Kapitalismus - Kommunismus: Ein ignorierter Gegensatz

von Horst Schulz

Wenn mit den RGW-Staaten jetzt die größte kommunistische Musterkolonie gescheitert ist, die die Welt je gesehen hat, dann können wir das ganz als Fortschritt deuten und uns freuen: Die nächste Pleite wird wohl noch ein wenig größer. Wir haben also allen Grund zur Zufriedenheit, denn das Wachstum der kommunistischen Siedlungen unterstellt ja ein verallgemeinertes Bedürfnis danach.

Ärgerlich sind einige modische Begleitumstände. Während etwa der alte Owen, dessen “New Harmony” gegen die RGW Harmony eine Kleinstfamilie gewesen ist, bis zum Schluß an seiner Überzeugung von der Machbarkeit des Kommunismus festgehalten hat, freunden sich gegenwärtig die ehemaligen Chefideologen des Realsozialismus mit einem ziemlich alten, ganz entgegengesetzten Gedanken an und schlagen altbekannte Wege ein. Dem Hegel halten sie die Treue:

“Was sich nicht ausführen läßt, sollte auch nicht ausgeführt werden”

Daß ihr Sozialismus keine Chance hatte, das hätten sie bereits bei einem bedeutenden Utopisten nachlesen können. Der Mann hatte eine allen Reaktionären geläufige Erkenntnis mitgemacht:

“Sichert man dagegen der armen Klasse, um sie zufriedenzustellen, ihr Auskommen, so wird sie der Vorschuß eines reichlichen Existenzminimums an Unterhalt, Kleidung usw. zum Faulenzen verleiten. Den Beweis dafür sieht man in England, wo 200 Millionen jährlicher Unterstützung für die Armen nur die Zahl der Bettler vermehrten” (Charles Fourier).

Und daraus hat er eine dem Kommunismus die Bahn brechende Schlußfolgerung gezogen: Solange die Arbeit eine Last ist, ist eine Gesellschaft, in der alle reich sind, eine kindische Vorstellung. Denn unter dieser Voraussetzung wird kein Reicher arbeiten, also auch kein Arbeiter reich sein. Eine andere Organisation der Arbeit muß her!

Dieses kommunistische Argument mochten die Führungskräfte der realsozialistischen Arbeiterklasse auf keinen Fall teilen, obgleich sie die Richtigkeit der vorausgesetzten Diagnose nicht leugnen konnten, sonst hätte sie ja keine Diskussion um das Leistungsprinzip angezettelt. Statt eine kommunistische Organisation der Arbeit ins Werk zu setzen, ist ihnen nichts weiter eingefallen als eine gerechte, humane Verteilungsweise. Die arbeitenden Menschen sollten es einfach besser haben, anständiger leben als ihre Vorfahren.

Sie haben sich nie trennen können von der menschenfreundlichen Vorstellung, daß die Beseitigung der Arbeitslosigkeit, die Einrichtung von Kinderkrippen, der Kampf gegen Hunger und materielle Not, das Verbot von Rassismus und fremden Religionen, die Liebe zum Volk und zur Arbeiterklasse, freiwillige Sonntagsschichten für die Hungerleider in Afrika und die standfeste Haltung gegenüber ausländischen Klassenfeinden Kommunismus sind.

Mehr als gute Absichten hatten diese kommunistischen Liebhaber der christlichen Moral nie verwirklichen wollen. Das haben sie gemeinsam mit ihren linken Kritikern in Ost und in West. Dabei hätten sie in ihrer Pflichtlektüre nachlesen können, daß mit guten Absichten der Weg zur Hölle gepflastert ist. Der Verfasser hat darauf gepfiffen, auf die guten Absichten. Mit Recht, wie man wieder sieht. Denn weder angenehme Lebens- noch angenehme Arbeitsbedingungen sind herausgesprungen.

Das Volk der DDR z.B., das sich nun 4 Jahrzehnte eine Grundversorgungsdiktatur hat bieten lassen, hat genug von der staatlich eingerichteten Behaglichkeit in gemäßigter Armut, es will Chancen und poussiert mit einem Regiment des Zufalls. Die reiche Armutsquelle BRD ist den Leuten lieber als die arme Reichtumsquelle DDR.

Die große Begeisterung der DDR-Bürger für die westliche Welt, worauf richtet sie sich? Auf Demokratie und Freiheit? Ein Volk von Idealisten? Sorgt sich etwa ein jeder DDR-Spießer seit November darum, daß jeder andere seiner Mitspießbürger irgendetwas mitentscheiden darf? Will etwa jeder, daß jeder andere seine bescheuerte Meinung sagen oder sonst nach Gutdünken sich frei bewegen darf? Verfolgt nun jeder das Eigeninteresse eines anderen?

Oder sind es die westlichen Journalisten, die Pfaffen, Psychologen, Professoren, Knastwächter, Erzieher, Vermögensberater, Sozialarbeiter, Dichter, Denker, Verfassungsschützer, Richter, Beamten, die Kaufleute, deren Treiben die Bundesrepublik für sie so anziehend macht?

Sicherlich nicht. Jeder weiß es längst, daß die Konsumneigung der DDR-Bürger ihre Produktionslust bei weitem übertrifft. Es sind die vollen westlichen Warenhäuser, die ihnen große Augen machen und ihre Phantasie erregen.

Woher kommt nun die von den Ostlern so bestaunte ungeheure Warenansammlung, der Reichtum der auf kapitalistischer Grundlage produzierenden Gesellschaften?

Liegt es an der, nun auch von den PDS-Kommunisten favorisierten, genialen Einrichtung des Marktes, die lange existiert hat, bevor die Warenproduktion so richtig in Schwung gekommen ist? Wohl kaum! Bevor die Waren auf den Markt kommen, müssen sie produziert worden sein.

Es ist ganz offensichtlich nicht das Naheliegende, angesichts der vergleichsweise bescheidenen Reichtumsproduktion des Realsozialismus die regellose Willkür des Marktes zu verlangen und daher von einer anderen Verteilungsweise ein größeres Konsumentenglück für alle zu erwarten.

Nicht die Anarchie des Marktes, sondern der Produktionsplan, der den Arbeitern als Autorität des Kapitalisten entgegentritt, steht an der Wiege der kapitalistischen Reichtumsproduktion, was bisher unwiderlegt und unübertroffen in einer berühmten Schrift auseinandergesetzt worden ist, auf deren Studium man offenbar nicht ohne Schaden verzichten kann.

Für unseren Zweck sollen daher einige Lehren aus Marxens “Kapital” in Erinnerung gebracht werden.

Im Unterschied zu allen früheren Produktionsweisen ist die kapitalistische Produktion nicht mehr Produktion für den Konsum, also beschränkte Gebrauchswerterzeugung für die Befriedigung der gegebenen Bedürfnisse des Produzenten oder des Aneigners seiner Arbeit, sondern eine in mannigfacher Hinsicht beschränkte Produktion um ihrer selbst willen.

Aber keine Produktion ohne Arbeit. Und die Arbeit ist kein Spiel. Sie ist bestimmt durch Not und äußere Zweckmäßigkeit. Und nicht nur Arbeit ist verlangt, wenn die Reichtumsproduktion keine Schranke haben soll an den Bedürfnissen des Produzenten, sondern Mehrarbeit, also Arbeit eben über die Befriedigung der notwendigen Bedürfnisse des Arbeiters hinaus. Und diese Mehrarbeit selbst muß auch noch schrankenlos sein, weil es der vom Kapitalisten verlangte Mehrwert sein soll. Denn die Arbeit ist die Substanz des Wertes, also auch des Mehrwertes. Weil er von ihren Resultaten nichts hat, wird sich freiwillig niemand der Mehrarbeit widmen, solange ihm die Arbeit eine Last ist. Mehrarbeit ist Zwangsarbeit schlechthin. Wer sie verrichtet, der muß es nötig haben, dem müssen die Mittel fehlen, sein Leben anders einzurichten.

Mit seiner Mehrarbeit erkauft sich ein Mensch, der nichts besitzt als seine Arbeitskraft, die Erlaubnis, für seinen Unterhalt zu sorgen. Der Lohnarbeiter wird mit seiner Existenz belohnt, wenn er für einen anderen umsonst arbeitet. Der absolute Zwang zur völlig selbstlosen Gesellschaftlichkeit ist seine, ihm vom Kapital aufgeherrschte Lebensbedingung. Da ist die christliche Nächstenliebe überhaupt nichts gegen. Denn der Christ hofft immer auf ein größeres Äquivalent als er gibt. Der Arbeiter dagegen gibt, ohne dafür etwas zu empfangen, auch wenn sein Nehmer den Kosenamen “Arbeitgeber” trägt.

Der Kapitalist ist als der Agent des Kapitals, indem er den Arbeiter zur Mehrarbeit zwingt, für diesen keineswegs nutzlos. Er produziert ja seine Arbeitsamkeit und sorgt so dafür, daß der Arbeiter neben dem bunten Warensortiment auch sein eigenes Arbeitsvermögen hervorbringt. Der Kapitalist kauft vom Arbeiter die Arbeitskraft für eine gewisse Dauer. Und weil er nicht daran zweifelt, daß die Arbeit dem Arbeiter nur mäßig Spaß bereitet, rechnet er von vornherein damit, daß dieser Charakter, der schon seine Arbeitskraft nur unter Zwang für eine bestimmte Zeit zur Verfügung gestellt hat, sie auch während dieser Zeit nur unter Zwang wird wirken lassen.

Er als der am Mehrwert interessierte Souverän des kapitalistischen Produktionsprozesses oder sein extra eingekaufter Aufseher achten darauf, daß der Arbeiter während der Arbeitszeit auch wirklich arbeitet und die eingekaufte Arbeitskraft so in Bewegung gesetzt wird, daß in gegebener Zeit möglichst viel Arbeit und daher Mehrarbeit zweckgerecht verflüssigt wird.

Für den Einfallsreichtum, den die Geschichte des Kapitalismus mit Bezug auf die Herauspressung von Mehrarbeit zu bieten hat, gibt es naturgemäß kein konkurrenzfähiges Beispiel aus anderen Geschichtsepochen. Von den Anstrengungen zur Verwandlung aller Lebenszeit in Arbeitszeit bis zur Herabdrückung des Lebensunterhalts der Arbeiter auf das nihilistische Niveau findet sich einfach alles.

Aber die Verlängerung des Arbeitstages oder die Erhöhung der Intensität der Arbeit und die Elastizität der Arbeiterbedürfnisse haben natürliche Grenzen. Der Arbeiter muß leben, und kaum ein Tag hat mehr als 24 Stunden.

Die Zeit des Arbeitstages, während der die Befriedigungsmittel für die notwendigen Bedürfnisse der Arbeiter produziert werden, kann aber vermindert werden, wenn die Arbeit produktiver wird. Wenn der Arbeiter weniger Kraft für die Erhaltung seiner eigenen Existenz verausgabt, kann er, bei sonst gleichen Bedingungen, mehr für den Kapitalisten arbeiten. Nicht er hat dann etwas von der höheren Arbeitsproduktivität, sondern sein Anwender. Der Mehrwert wächst, weil die zur Reproduktion des Arbeiters notwendige Arbeit verringert wird. Und mehr noch als der Mehrwert wächst die sachliche Produktion. Denn wenn sich weniger notwendige Arbeit in der gleichen Produktenmasse ausdrückt, drückt sich dieselbe Mehrarbeit in einer größeren und mehr Mehrarbeit in einer noch größeren Produktenmasse aus.

Wir haben genau hier den beschränkten Grund für den materiellen Reichtum, den die Menschen aus dem Osten so bestaunen. Die Betrachtung der Mittel wird weitere künstliche Beschränkungen der Reichtumsproduktion zeigen.

Die Produktionsweisen, mit denen dieser relative Mehrwert erzwungen wird, sind also welche zur Steigerung der Produktivkraft der Arbeit: Kooperation, Manufaktur, große Industrie, von der die jeweils nächste die Konsequenz der durchgeführten anderen ist.

Als Eigentümer der Produktionsmittel erzwingt der Kapitalist, soweit es sein beschränktes Interesse ist, den Zusammenhang der arbeitenden Individuen. Er senkt seine Kosten, indem er dieselben Produktionsbedingungen von vielen Arbeitern zugleich nutzen läßt.

Weil in seiner Hand die Produktionsmittel konzentriert sind, konzentriert er auch die Arbeiter. Er unterwirft sie seinem Willen, gibt ihrem Tun einen gesellschaftlichen Charakter und ist daher der Stifter einer Arbeitsgemeinschaft. Das Zusammendrängen vieler Arbeitskräfte, ihre bloße räumliche Konzentration an einem bestimmten Ort zu einer bestimmten Zeit setzt eine völlig neue, die gesellschaftliche Produktivkraft der Arbeit ins Werk.

Einerseits wird nämlich die Produktivkraft der Arbeit durch die größere individuelle Anspannung des einzelnen Arbeiters erhöht, insofern dieser im anschaulichen Vergleich mit anderen seine gewohnte Trägheit ablegt und zur vermehrten Anstrengung getrieben wird. Andrerseits übersteigen die kombinierten Teilkräfte in ihrer Wirkung ihre Summe. Die momentane Kraftanstrengung vieler auf einmal etwa oder eine arbeitsteilig durchgeführte Operation können Wirkungen hervorbringen, zu denen die Sisyphusarbeit einzelner nie fähig wäre. Kooperierende Arbeiter können auf einmal tun, was sie einzeln nicht einmal im Zeitablauf zuwege brächten oder was von dem einzelnen eben mehr Anstrengung verlangte als die Summe der vielen individuellen Anstrengungen bei ihrer Kooperation.

Sie arbeiten nicht nur, sondern sie arbeiten in der Werkstatt des Kapitalisten gemeinsam - daher planmäßig zusammen - und haben sich einem fremden Zweck unterzuordnen.

Wenn einerseits die progressive Rolle des Kapitals bei der Vergesellschaftung der Arbeit unübersehbar ist, so liegt andrerseits der Mangel der vom Kapital gestifteten Kooperation auf der Hand: Lohnarbeiter können nicht in Abhängigkeit von den Möglichkeiten und Erfordernissen des Produktionsprozesses kooperieren, sondern nur dann und soweit, soweit das Kapital sie gleichzeitig anwendet, also groß genug ist, sie zusammen einzukaufen. Nur punktuelle Vergesellschaftung.

Mit der Kooperation hat das Kapital die Voraussetzung für eine weitere Steigerung der Produktivkraft der Arbeit hervorgebracht. Kooperation selber fällt nicht mit der Arbeitsteilung zusammen, aber sie erlaubt von vornherein die arbeitsteilige Produktion im Sinne der Kombination verschiedener Verrichtungen.

Mit der systematischen Zerlegung des Arbeitsprozesses in allereinfachste Operationen, die er besondert und voneinander isoliert und als isolierte Funktionen wieder miteinander kombiniert, beginnt der Manufakturbetrieb. Jeder Arbeiter wird als Träger einer besonderen Funktion ein notwendiges Glied des Gesamtarbeiters. Indem ein jeder in dem Produktionsprozeß nur noch eine Spezialtätigkeit ausübt und nicht mehr alle verschiedenen Verrichtungen der Reihe nach, erhöht sich die Produktivkraft der Arbeit durch die Verminderung der unproduktiven Verausgabung von Arbeitskraft, wie sie beim Wechsel von der einen Funktion zur anderen unvermeidlich ist.

Eine Vergesellschaftung ganz eigener Art wird hervorgerufen, insofern der eine Arbeiter vom anderen abhängig wird, der eine den anderen beschäftigt und jeder allein völlig außerstande wird zur selbständigen Hervorbringung eines fertigen Gebrauchswertes, weil sie alle ganz unterschiedliche Teile derselben Ware fertigen. Die exakte proportionelle Verteilung der verschiedensten Arbeiten, die genaueste quantitative und qualitative Abstimmung der Funktionen aufeinander, daher die planmäßige Zusammenarbeit der Arbeiter wird eine unbedingte technische Notwendigkeit des Produktionsprozesses.

Eine so durch eine neue Organisation des Arbeitsprozesses gesteigerte Produktivkraft der Arbeit ist eine Sache. Eine andere die, die einzelnen Funktionen des Arbeitsprozesses in ausschließliche Tätigkeiten der arbeitenden Individuen zu verwandeln. Und genau darin zeigt sich der kapitalistische Charakter der Manufaktur.

Nach Zerlegung des Arbeitsprozesses in seine verschiedenen Teiloperationen und ihrer Verselbständigung gegeneinander werden diese personifiziert. Sie werden zum Lebensberuf bestimmter Individuen. Der zerlegte Arbeitsprozeß wird Mittel, um die Individuen zu zerlegen. Die Funktionen werden nicht unter die Arbeiter verteilt, sondern jede Funktion erhält einen Arbeiter.

Die arbeitsteilige Produktion macht Teilarbeit nötig, aber kein Teilindividuum. Es ist unmittelbar keineswegs eine Steigerung der Produktivkraft der Arbeit, die durch die reduzierte Nutzung eines gegebenen Arbeitsindividuums herauskommt, sondern ihre Minderung, insofern die Monotonie der Arbeit jeden Reiz nimmt und daher die produktive Energie des Arbeiters lähmt. Aber die Produktivität des Kapitals wird gesteigert durch die ausschließliche Verwendung eines Arbeiters für immer dieselbe, möglichst einfache Operation, da seine notwendigen Ausbildungskosten und daher der Wert seiner Arbeitskraft gering gehalten werden. Nicht die Produktivkraft der Arbeit wird erhöht, sondern die Arbeitskraft wird billiger.

Unter den Bedingungen der formgebenden Handarbeit, wie sie für die Manufakturproduktion charakteristisch ist, hat jedoch die ausschließliche Teilarbeit eine produktivkraftsteigernde Konsequenz: Durch die einseitige Belastung wird die Entwicklung eines bestimmten Organs befördert, werden alle Variationsmöglichkeiten der individuellen Kräfte des Arbeiters zugunsten einer ausgeschlossen, so daß eine Erhöhung seines produktiven Geschicks herausgebracht wird. Wie man Vögel blendet, um sie schöner singen zu lassen, so wird die nutzbringende Verkrüppelung des Arbeiters erreicht durch die produktive Unterdrückung seiner Beweglichkeit.

Die Produktivkraft der Arbeit hängt in dieser Produktionsweise sehr von der gelungenen Abrichtung des einzelnen Arbeiters auf eine elementare Detailfunktion ab, von der Präzision und Sicherheit, mit der er in dem ganzen lebendigen Produktionsmechanismus funktioniert. Da die eine Arbeitskraft wertvoller ist als die andere, weil die eine Verrichtung komplizierter ist als diese und daher mehr Erlernungskosten erfordert, schafft die Verteilung der einzelnen Arbeiter unter die verschiedenen Funktionen des Arbeitsprozesses eine Hierarchie von Arbeitslöhnen und daher Lohnarbeitern. Zugleich werden durch die Zerlegung des Arbeitsprozesses auch die Tätigkeiten ausdifferenziert, die so einfach sind, daß sie gänzlich ohne eine spezielle Ausbildung ausgeübt werden können. Und da auch diese Tätigkeiten zum Lebensberuf besonderer Individuen werden, gesellt sich zur Lohnarbeiterhierarchie die Trennung der Arbeiter in geschickte und ungeschickte.

Die Beschäftigung wird nicht durch die fortwährende Arbeitsteilung, sondern durch die Personifizierung der Teilarbeit für ihre Träger immer inhaltsleerer und qualvoller, weil sie zunehmend alle Herausbildung und Übung individueller Fähigkeiten mit einer Ausnahme verhindert. Die Arbeit wird einfacher, aber nicht leichter. Im Gegenteil. Der Zwang zur Mehrarbeit nimmt zu. Je abstrakter die konkrete Arbeit für den einzelnen Arbeiter infolge ihrer fortwährenden Teilung wird, je inhaltsleerer, desto sicherer kann sie ausgeführt werden. Je bewußt- und willenloser er arbeitet, desto weniger Fehler macht er, desto mehr ist seine Arbeit reduziert auf die bloß mechanische Bewegung des Führens eines einfachen Werkzeugs, die schließlich auch der äußeren Natur überlassen werden kann.

Die Umwälzung des Arbeitsmittels ist der Ausgangspunkt der Produktivkraftsteigerung der gesellschaftlichen Arbeit in der Fabrik. Die Funktion, ein Teilwerkzeug zu bedienen, ist einfach genug, um einem Automaten übertragen werden zu können, der mit einer Regelmäßigkeit, Präzision und Ausdauer arbeitet, mit der kein Arbeitskrüppel mithalten kann, sowenig heutzutage ein auf pure Addition und Subtraktion abgerichtetes Menschenhirn mit einer elektronischen Rechenmaschine konkurrieren könnte.

Wenn in der Manufaktur die Entwicklung der Produktivkraft der Arbeit auf die Entwicklung des einseitigen Geschicks des Arbeiters nicht verzichten kann, so ist für die Herausbildung der Fabrik als der mit kombinierten Arbeitsmaschinen produzierenden Werkstatt genau der umgekehrte Fall charakteristisch. Indem das Handwerkzeug durch die Werkzeugmaschine ersetzt wird und die Muskelkraft durch die Naturkraft, wird alle Kunstfertigkeit des Arbeiters überflüssig. Keine Arbeiterkooperation kann sich messen mit der Kraft eines Kraftwerkes und niemand führt ein Werkzeug so sicher wie eine kopflose Maschine. Der Arbeiter fertigt jetzt weder eine komplette Ware noch einen besonderen Teil der Ware an. Der Umfang der Produktion steht in überhaupt keinem Verhältnis mehr zur geleisteten Handarbeit.

Die Produktivkraft der Arbeit stellt sich nicht mehr dar in Abhängigkeit von dem individuellen Arbeitsvermögen, der Kraft oder Gewandtheit der Arbeiter, sondern als im gegenständlichen Prozeß realisierte Wissenschaft. Wenn die Natur ursprünglich in der Agrikultur als blinde, den Menschen zufällige Produktivkraft zur Wirkung kam, so wird sie jetzt durch die technologische Anwendung der Naturwissenschaften systematisch in den Dienst der industriellen Produktion gestellt.

Der Arbeiter hat mit der Maschine einen übermächtigen Stellvertreter erhalten, dessen Werktätigkeit er nur noch überwacht und ergänzt. Und nicht einmal diese Tätigkeit liegt in den Möglichkeiten einzelner Arbeiter, die daher zu bloßen Funktionären eines gesellschaftlichen Kontollapparates werden.

Da alle seine Werktätigkeit dem Arbeiter vorgegeben ist von der Maschinenbewegung, der er seine eigene Aktivität nur unterzuordnen hat, ist seine Produktivität nicht mehr abhängig von einer jahrelangen Dressur einzelner seiner Organe, sondern von seiner möglichsten Beweglichkeit. Mit den langen Ausbildungszeiten für die Beschäftigung im unmittelbaren Produktionsprozeß ist zugleich die materielle Basis der manufakturmäßigen Lohnhierarchie beseitigt. Die Austauschbarkeit der Produzenten ist allgemein geworden. Selbst die Kontinuität des Arbeitsprozesses ist jetzt vereinbar mit beständigem Personenwechsel, teils ist dieser sogar ein Erfordernis, insofern die vom Arbeiter verlangte Aufmerksamkeit abnehmen wird mit der Dauer seiner Tätigkeit.

Die Arbeiten sind durch die maschinelle Fertigung nicht einfacher geworden, aber leichter, ein Kinderspiel, weshalb ja auch in der Anfangsphase der großen Industrie massenweise Kinder eingespannt wurden.
Allerdings sorgt die kapitalistische Form der Anwendung der Maschinerie, indem sie aus den Arbeitern in derselben und sogar in verlängerter Zeit immer mehr Arbeit herauspreßt, für die Zunahme der Arbeitsqual. Denn die Maschinerie als produzierte Produktivkraft ist nicht umsonst. Der Kapitalist hat eine bestimmte Wertsumme ausgelegt und lebt in der begründeten Furcht, diese durch unproduktiven Verschleiß, wie er durch Stillstand oder Veralterung im Zuge der Produktivkraftentwicklung eintreten wird, zu verlieren. Dieser Entwertung wirkt er entgegen, indem er Laufzeit und Geschwindigkeit der Maschinen heraufsetzt, was auf seiten des Arbeiters sich als Verlängerung des Arbeitstages und/oder Steigerung der Arbeitsintensität auswirkt. Um den unproduktiven Verschleiß der Maschinerie zu vermindern, wird der produktive Verschleiß der Arbeitskraft erhöht.
Die systematische Unterdrückung nahezu aller Anlagen der Arbeiter erreicht mit der Anwendung des Maschinensystems ihren Höhepunkt, insofern ihr ganzes Tun, das ihnen bis zum Gehtnichtmehr abverlangt wird, nur noch Reaktion ist, pure Verausgabung von Hirn, Nerv, Muskel, da die Formgebung als das künstlerische Element ganz zur Sache der Maschinenglieder geworden ist.

Die Produktivkraftsteigerung, die als technologische Anwendung der Naturwissenschaften rasch verallgemeinerbar und daher für den Kapitalisten zur Produktionsbedingung geworden ist, wälzt beständig die Teilung der Arbeit nicht nur in der Fabrik um, sondern auch im Innern der Gesellschaft. Der Fortschritt der Produktion in der einen Produktionssphäre erzwingt Veränderungen in der anderen. Wird hier die Produktivkraft gesteigert, so muß an anderer Stelle der Produktionsapparat ausgeweitet oder die Produktivkraft ebenfalls gesteigert werden.

Weil die Maschinerie eine als Gegenstand produzierte und daher spontan reproduzier- und erweiterbare Produktivkraft ist, die momentan verbessert oder ganz ersetzt werden kann, hat der gesellschaftliche Reproduktionsprozeß eine ungeheure Elastizität erhalten, was in den einander rasch abwechselnden Phasen der Konjunktur deutlich zum Ausdruck kommt. Für das Kapital wird mit den wechselnden Anforderungen des Produktionsprozesses die Variation des von ihm beschäftigten Gesamtarbeitsvermögens eine alltägliche Aufgabe, die es mit Entlassungen und Neueinstellungen oder Umschulungen bewältigt. Eine Masse von unbeschäftigten, daher disponiblen Arbeitsleuten ist Produktionsbedingung für die kapitalistisch betriebene große Industrie, weil die mit der plötzlichen Produktionsumstellung erforderliche allseitige Verfügung über Arbeitsfunktionen auf der Basis der Lohnarbeit anders nicht hinzukriegen ist.

Für den Arbeiter, der in seinem einseitigen Geschick solange eine dauerhaft aussichtsreiche Reproduktionsmöglichkeit besitzt, solange die Produktivkraft der Arbeit davon abhängt, wird die kapitalistisch betriebene große Industrie die sichere Basis für die Unsicherheit seiner Lebenslage. Ob die Produktivkraft in der Fabrik gesteigert wird, in der er gerade beschäftigt ist, ob sie in einer anderen Fabrik oder in einer ganz anderen Produktionssphäre gesteigert wird, er läuft stets Gefahr, mit der Brauchbarkeit seines eingeschränkten Arbeitsvermögens seine Unterhaltsquelle zu verlieren.

Er wird gezwungen, sein Arbeitsvermögen entsprechend der technischen Entwicklung auf Kommando zu variieren, nachträglich, nachdem er zuvor vielleicht jahrzehntelang alle seine Beweglichkeit zugunsten immer einer und derselben Bewegung unterdrücken mußte. Er muß sich flott machen für einen neuen Arbeitgeber, sobald sein bisheriger die Entwicklung einer neuen gesellschaftlichen Produktivkraft zu seinem Vorteil anzuwenden genötigt wird. Der universell produzierende Mensch ist mehr und mehr Produktionsbedingung der großen Industrie, die heutzutage die große Masse des materiellen Reichtums liefert. Aber unter kapitalistischen Voraussetzungen wird systematisch alle Ausbildung des allseitigen Geschicks verhindert, da alle Nutzung der vorhandenen materiellen Produktivkräfte abhängt vom Willen des Eigentümers.

Eine nach Art und Dauer möglichst freiwillige Teilung der Arbeit, wie sie den modernen Produktivkräften entsprechend wäre, kann nicht vorkommen auf der Basis der Lohnarbeit, wo alle Arbeitsteilung Exploitationsmittel ist, wo mit den Ausbildungskosten der Wert der Arbeitskraft niedrig- und die Konkurrenz unter den Arbeitern hochgehalten wird, so daß der Preis ihrer Arbeitskraft möglichst noch unter ihren Wert gerät.

Es ist selbst bei einer nur groben Betrachtung der Dinge nicht leicht zu übersehen, daß Lohnarbeiter nur beschränkte Reichtumsproduzenten sein können. Wenn die Sklavenarbeit unproduktiv wurde in dem Augenblick, in dem die Produktivkraft der Arbeit mehr als rohe Kraftanstrengungen verlangte, so war die Lohnarbeit technisch überholt, als das variable Arbeitsvermögen Produktionsbedingung wurde.

Obgleich aber nicht nur die materiellen Voraussetzungen einer neuen sozialen Ordnung vom Kapital geschaffen, sondern sie in einem Ausmaß geschaffen wurden, daß ihre Entfesselung eine Frage auf Leben und Tod geworden ist, die nicht nur in den beiden Weltkriegen dieses Jahrhunderts deutliche Antworten bekommen hat, halten linke Menschen weit und breit mehr davon, über alternative Verkehrs-, Verteilungs- und Konsumformen nachzugrübeln, als den Arbeitsleuten einen schlichten Vorschlag zu machen: Kommunismus, die Ausräumung aller Hindernisse, die der Kapitalismus der Reichtumsproduktion entgegenstellt. Ein Zufall wird es nicht sein, wenn ausgerechnet die “alternative” Produktionsform nie zum Thema wird. Die Sache hat Methode.

Wenn auch mit der Steigerung der Produktivkraft der Arbeit im Zeitablauf die Masse der produktiven Arbeitssklaven zunimmt, so wachsen schneller noch solche Gesellschaftschichten, die an der Verzehrung des Surplusprodukts teilhaben.

Dabei sind es keineswegs bloß die Müßiggänger, deren Zahl größer geworden ist, nicht bloß die Besitzer und Händler der Titel, die zur mühelosen Aneignung fremder Arbeit berechtigen.

Denn mit der wachsenden Vergesellschaftung der Arbeit wächst nicht nur die Produktivkraft der Arbeit, sondern auch der Druck, die Widerstandskraft, die die Arbeiter dem Kapital entgegensetzen, nicht nur, weil infolge ihrer Konzentration ihre gesellschaftliche Macht wächst, sondern weil ihre Arbeitsqual zunimmt. Nichts ist für die Kapitalisten daher erfreulicher als der Umstand , daß sie mit der wachsenden Notwendigkeit, die Arbeiter in Schranken zu halten, von diesen auch die Mittel dazu geliefert bekommen. Sie werden von den Arbeitern selbst durch die ungeheure Vermehrung des sachlichen Reichtums in die Lage versetzt, eine wachsende Schar von Betreuern zu beköstigen, die keine andere Funktion haben, als die bestehende Organisation der gesellschaftlichen Arbeit aufrechtzuerhalten.

Da ist nicht nur der von der Arbeit freigestellte Betriebsrat, der den Arbeitsleuten die Entscheidungen der Kapitalisten möglichst schonend beizubringen hat, nicht nur der Betriebspsychologe, der schon im voraus bei der Einstellung sich festzustellen getraut, ob der Interessent den kommenden Belastungen auch wirklich gewachsen sein wird.

Schon von Kindesbeinen an wird der künftige Arbeitsmensch von Erziehern oder Lehrern mit der gemeinen Lüge vertraut gemacht, daß er “für das Leben” zu lernen habe. Später wird er dann erfahren, daß es ein Leben für die “Arbeitgeber” sein muß. Immerhin ist diese frühzeitige Lektion dahin bedeutsam, als er verinnerlicht, daß das Lernen für ihn kein Selbstzweck sein darf, sondern für ein Drittes zu erfolgen hat. Bereits die Aneignung des Wissens ist für ihn ein Zwang, kein Selbstgenuß, nicht Genuß seiner eigenen Kräfte wie das Spiel, sondern ein Mittel für einen ganz anderen Zweck. Es ist dies keine leichte Einsicht, weshalb ja auch ihre Vermittler um ihren Job nicht zu beneiden sind. Schließlich müssen sie allerhand Gewaltmittel einsetzen, um ihre Aufgabe zu erfüllen. Denn die erfüllte Aufgabe ist die notwendige Voraussetzung für die nächste, die in den Bereich der Schule fällt, nämlich die, den von der produktiven Tätigkeit ausgeschlossenen Kindern, unabhängig von aller Anschauung das für ihr späteres Funktionieren im Interesse ihrer Nutznießer notwendige Wissen einzutrichtern.

Kaum ist er seinen Erziehern entwischt, da wird er auch schon von einem Berufsberater vollgeschwätzt, der ganz genau ihm mitteilt, welche Art der Verkrüpplung für ihn für den Rest seines Daseins die angenehmste sein wird.

Das aus der nahezu kompletten Unterdrückung seiner Individualität notwendig hervorkommende Unglück seines Lebens, seine völlige Abhängigkeit von Umständen, die sich seiner Einflußnahme total entziehen, wird später dann betreut von einer Unzahl von Bewachern, Aufpassern und Trostspendern. Polizisten, Soldaten, Richter und Rechtsanwälte sorgen dafür, daß er seine Beschränkungen nicht bloß für Einbildungen hält. Seelsorger in Kutte oder mit Freud im Schrank sehen in der Verdeutlichung des direkten Gegenteils ihre liebste Aufgabe. Bankangestellte und Versicherungsfritzen kümmern sich darum, daß er seinen Arbeitslohn oder die Erbschaft nicht unnötig in Genußmittel umsetzt. Sozialarbeiter begleiten ihn, wenn er, nachdem er alle sonstigen Quellen ausgeschöpft hat, beim Sozialamt um Geld ohne Arbeit nachsucht. In den Medien tätige Ideologen trösten ihn unaufhörlich mit der Mitteilung, daß früher alles viel schlechter war und heute woanders noch ist. Spaßmacher und Unterhalter aller Art im Kino, im Fernsehen oder im Radio lenken ihn schließlich von seinen Sorgen ab, sofern er sie nicht längst im Alkohol ersäuft hat.

Eine stets anschwillende Masse von Leuten, die nicht nur jeweils eine ganz bestimmte Seite der miserablen gesellschaftlichen Verhältnisse als Unterhaltsquelle nutzen, sondern ihrerseits ebenfalls wieder ein Heer von Dienern ernötigen, das ihnen ihr Dasein erleichtert, Leute, die ihr Geld anlegen, ihnen Wohnungen besorgen, sie bewirten und zerstreuen, ihnen bei der Suche nach ihrer höchstpersönlichen Identität helfen oder ihnen einfach schöne Literatur und Theaterstücke liefern, die das Elend anderer und selbst ihr eigenes ihnen zum Genuß darbieten.

Jeder Mangel findet selbständigen Ausdruck in der Existenzweise einer besonderen Gruppe von Individuen und - verdoppelt sich zur Berufsqual. Alle reproduzieren sie die vom Kapital eingerichteten elenden Verhältnisse, indem sie sie für ein elendes Leben nach Leibeskräften auszubeuten suchen. Indem die unterschiedlichen gesellschaftlichen Tätigkeiten nicht nur sich als lebenslange Natureigenschaften bestimmter Individuen darstellen, sondern als deren ausschließliche Mittel, ihr Leben zu gewinnen, werden sie zur Quelle nicht nur der gesellschaftlichen Ungleichheit, sondern der festen Interessenuntersschiede, die ein wirklich gemeinschaftliches Interesse ausschließen.

Und diese beschränkte Produktionsweise, die alle beliebigen Figuren verkrüppelt, einen Teil dieser Krüppel zwingt, für den anderen die Lebensmittel hervorzubringen, einen anderen Teil wieder, für alle die Beruhigungsmittel bereitzustellen, soll nicht zu überbieten sein durch die Beseitigung ihrer Schranken?

Was also hat der Sozialismus falsch gemacht? Falsch geplant? Wie hätte man auf Basis falscher Voraussetzungen richtig planen können? Was hat man unternommen, um die alte Form der Arbeitsteilung und damit das Arbeitsleid auszuräumen? Was hat man unternommen, um die Interessengegensätze verschwinden zu machen und damit eine notwendige Voraussetzung zu schaffen für eine geplante Ökonomie, die ohne Zwang auskommen kann?

Daß heutzutage, wo die Handarbeit in keinem Verhältnis mehr zur stofflichen Reichtumsproduktion steht, weil die Produktion mit Hilfe gesellschaftlich kontrollierter Naturkräfte bewerkstelligt wird, kein Volk anders als durch die künstliche Beschränkung seiner Möglichkeiten daran gehindert werden kann, Überfluß zu produzieren, sollte eigentlich klar sein. Es kann absolut kein Zweifel darüber bestehen, daß ein gesunder Mensch mehr Mittel hervorbringen kann, als er produktiv und konsumtiv zu vernutzen imstande ist. Wenn der reale Sozialismus in der Reichtumsproduktion den “Wettbewerb” mit dem Kapitalismus verloren hat, so nur, weil er nicht nur die Beschränkungen von Produktion und Produzenten erweitert, sondern auch die Zwänge zur Überwindung der Schranken gemildert hat. Die Arbeit blieb eine Last, aber der Zwang zur Arbeit hielt sich in vergleichsweise mäßigen Grenzen.

Man stelle sich einmal vor, in der DDR z.B. hätte man tatsächlich 1949 mit dem Aufbau des Kommunismus begonnen. Man hätte nicht nur die Privateigentümer der Produktionsbedingungen enteignet, sondern die Produktionsbedingungen vergesellschaftet, die Mittel der Beschränkung in Mittel der individuellen Bewegungsfreiheit verwandelt. Die gesellschaftlich notwendige Arbeit wäre qualitativ und quantitativ bestimmt und ein Arbeitszwang für alle wäre eingerichtet worden. Kein Arbeiter hätte sich dagegen gewehrt. Und gesellschaftlich notwendige Arbeit hätte man keineswegs nur verstanden als Arbeit, die notwendig ist, um die gesellschaftlich verlangten Gebrauchswerte alle zu erzeugen, sondern auch solche, sie sich zu beschaffen. Man hätte sich also keineswegs selbst beschränkt, sondern umgekehrt sich bemüht, die Vorteile der weltweiten Arbeitsteilung konsequent für die eigenen kommunistischen Zwecke auszunutzen, sich also mit der gebotenen Behutsamkeit auf eine Warenproduktion am Rande der sozialistischen Gesellschaft eingelassen.

Jeder Mensch wäre ein Produzent geworden und die notwendige Arbeit für den einzelnen hätte daher auf ein Mindestmaß herabgesetzt werden können. Die Produktivität jeder einzelnen Arbeitskraft, da sie im umgekehrten Verhältnis steht zu ihrer Wirkungsdauer, hätte schon dadurch gewaltig zugenommen. Alle hätten sie reichlich disponible Zeit erhalten und die erforderlichen gegenständlichen Mittel zur Ausbildung ihrer Individualität, zur Muße, zur Bildung oder auch zur Arbeit, also zur weiteren Steigerung der gesellschaftlichen Produktivkraft der Arbeit. Und jede Steigerung dieser Arbeitsproduktivität hätte ihre disponible Zeit vermehrt. Sie hätten mit der Gelegenheit zur Reichtumsproduktion auch massenhaft ein Motiv dazu gehabt. Sie hätten nicht, wie ihre Kollegen in den westlichen Nachbarländern, die Produktivkraftentwicklung fürchten müssen, sondern ein Interesse an ihr entwickelt.

Man stelle sich vor, alle DDRler hätten den möglichsten freien Zugang gehabt zu allen Produktionsstätten, also freie Wahl der Tätigkeiten mit der Gelegenheit zum reichlichen Wechsel dieser Tätigkeit. Die universelle Ausbildung und Betätigung der Individuen hätte man also ins Werk gesetzt und damit nichts getan, was nicht längst schon ein Bedürfnis der modernen Produktion geworden ist. Man hätte also die kapitalistische Produktionsweise soweit beseitigt, soweit sie bereits ein Hindernis der Reichtumsproduktion geworden ist. Ohne Frage hätten die Leute nicht nur ein Plansoll erfüllt, sondern regelmäßig übererfüllt; sie hätten jede Menge Mittel hervorgebracht, um weitere Mittel hervorzubringen, zur Produktion und zur Konsumtion. Sie hätten bald nicht einen Mangel zu beklagen, sondern den Überfluß zu regulieren gehabt.

Und sie hätten wenig Grund gehabt, bei der Produktion die Anstrengungen zu scheuen, die wir sie heutzutage überall bei ihren Vergnügungen auch an den Tag legen sehen, bei Vorbereitungen von Feierlichkeiten, beim Wettsaufen auf diesen Feierlichkeiten, beim Fußballspiel, beim Joggen, beim Videospielen, beim Musizieren oder in den modernen Folterkammern der Fitness-Studios, in denen sie zum Zwecke der Gesundheit ihre Körper in ähnlicher Manier ertüchtigen, in der andere die ihren während der Arbeitszeit ruinieren. Selten halten Anstrengungen Menschen von der Arbeit ab, fast immer die Qual und ganz sicher das Interesse der privaten Eigentümer der Produktionsmittel.

Wenn also bloß die Beseitigung der Verhältnisse eingeleitet worden wäre, die die Trennung arbeitsfähigen Menschen von den Bedingungen der materiellen Produktion bewirken, dann wäre die Herausbildung des Kommunismus wohl nicht aufzuhalten gewesen.

Von Kindesbeinen an hätten die Menschen sich produktiv betätigen können. Lernen und Anschauung wären miteinander verbunden gewesen. Man hätte die Kinder weder zur Arbeit noch zum Pauken zwingen müssen. Produktive Arbeit wäre für sie willkommene Abwechslung geworden, körperliche und geistige Gymnastik zugleich. Der Eifer der Kinder bei der Ausübung zweckmäßiger Tätigkeiten, die Aufmerksamkeit unterstellen, ist nirgendwo zu übersehen. Welche Anstrengungen werden heute ganz im Gegenteil unternommen, um sie von aller produktiven Tätigkeit fernzuhalten? Was muß man tun, um Jugendliche zur Verausgabung und daher zum Genuß ihrer körperlichen und geistigen Kräfte zu bewegen? Welche Schwierigkeiten sollten sie haben, Gerätschaften aller Art produktiv zu nutzen, in allen Sphären der Produktion sich selbst und anderen zum Vergnügen ihre Gewandtheit zu beweisen, wenn man sie nicht zwingt, dort jeweils eine Welt von Anlagen und daher Bedürfnissen zu unterdrücken?

Nicht zu reden von erwachsenen Menschen, die sich vielseitig haben ausbilden können, also vielseitige Bedürfnisse auch nach Tätigkeit haben. Was wird nicht heutzutage alles eingerichtet, um sie von der gesellschaftlichen Reichtumsproduktion abzuhalten? Wie wollte man solche Menschen, wenn sie alt geworden sind, anders als durch vernünftige ärztliche Begründung von einer nützlichen Betätigung, von der Weitergabe ihrer Fertigkeiten und Erfahrungen oder den Resultaten ihrer Forschung abbringen?

Wer wollte alle diese Leute davon abhalten, “Umweltprobleme” auszuräumen, wenn sie nur frei über die dazu erforderlichen Mittel verfügen könnten. Wie groß wäre die “Umweltbelastung” überhaupt, wenn man den Leuten nicht die Versauung ihre Lebensraumes als Existenzbedingung aufnötigte? Wenn der Mensch nicht als Ingenieur oder Mechaniker in der Beschaffung seiner Unterhaltsmittel abhinge von der Konkurrenzfähigkeit z.B. eines Kraftwerkbetreibers.

Wer wollte die Gleichberechtigung von irgendwelchen Minderheiten verhindern, wenn Ungleichbehandlung kein Lebensinteresse mehr wäre, sondern, wie schon in der einfachen Kooperation, alle gemeinsam mehr ins Werk setzten als die Summe ihrer Einzelleistungen. Was wäre das für eine Maßnahme gegen die vielbejammerte Ausländerfeindlichkeit, wenn nicht die Moral, sondern das Interesse der Leute angesprochen wäre, wenn nicht mehr die Nation oder das Volk bemüht werden müßten, um die Individualität durchzusetzen, wenn das wechselseitige Eigeninteresse aneinander der einzige Grund ihres Verkehrs wäre und niemand abhinge vom christlichen Wohlwollen anderer.

Wer wollte die Knechtschaft in der Ehe, die Unterdrückung der Frau aufrechterhalten, wenn die Zugangsbeschränkungen zu den Quellen der Reichtumsproduktion für alle gefallen wären? Was wäre die bürgerliche Ehe als Zwangsverhältnis denn noch wert, wenn mit der freien Wahl der Tätigkeiten die Voraussetzung geschaffen wäre für die freie Wahl der Partnerschaften?

Wer endlich wollte die Leute dazu bringen, den verschiedenen Ideologen noch ihr Gehör zu schenken, wenn die Beschränkungen gefallen wären, das selbst in Angriff zu nehmen, worauf sie jetzt nur hoffen können. Wer wollte überhaupt noch blödsinnige Phrasen dreschen, wenn er weder Hörer noch Lebensmittel damit anziehen könnte. Dichter und Romanschreiber, die nicht mehr ausschließlich dichten und Romane schreiben, sondern tätig verbunden sind mit der gesellschaftlichen Produktion des realen Lebens. Was könnten sie für Werke verfassen! Welche Motive und Möglichkeiten hätten Politiker und Professoren, gesellschaftliche Mächte in den Dienst privater, d.h. ausschließender Interessen zu stellen? Schließlich die Pfaffen. Wer könnte sie zwingen, den lieben langen Tag lang Verschen zu lernen, wenn ihre Existenz nicht mehr abhinge von der Kirche und der Gemeinschaft der Gläubigen. Wie hätten die den Sozialismus begrüßt, statt an seiner Beseitigung zu arbeiten? Und ihre Gläubigen erst, die nicht mehr hätten in die Kirche müssen, Gott zum Gefallen und zum Schutz vor der Stasi. Sie hätten tagein und tagaus ihrem Herrn mit guten Taten dienen können: morgens Rollstühle für die Lahmen und Alten zusammenschrauben, mittags Krankenhäuser für die Kranken bauen, abends die bescheuerten Rituale der Heiden kritisieren; sie hätten in Lebensmittelfabriken arbeiten und auf teufelkommraus Brot für die Welt backen können.

Ein Sozialismus, der die Religion verbietet oder unterdrückt, dagegen Berufspolitiker, professionelle Dichter und Professoren ausdrücklich zuläßt, der muß grundsätzlich etwas falsch verstanden haben.

Wer hätte also den Kommunismus verhindert, wenn mit den Voraussetzungen des beschränkten Lebens die der Knappheit ausgeräumt worden wären, wenn die Realsozialisten, die Theologen, die Ökonomen und alle anderen Knappheitstheoretiker auch mit nur leichter Mühe zur materiellen Reichtumsproduktion gezwungen worden wären?

Wer hätte den Kommunismus verhindert, wenn die Anstrengungen, die man zur Verwirklichung einer Utopie aufgewendet hat, darauf verwendet worden wären, ein Naturgesetz der gesellschaftlichen Produktion, das sich heutzutage nur in ungeheuren Katastrophen durchsetzen kann, einfach anzuerkennen und in Freiheit zu setzen?

Welchen Dienst schließlich hätte die DDR wohl der Weltrevolution erwiesen, wenn sie solche Verhältnisse eingerichtet hätte. Wie lange hätte die kapitalistische Weltherrschaft unter dem Druck dieser materialistischen Propaganda noch angedauert?

Autor: David Tiger / Horst Schulz
zuerst erschienen in: Kalaschnikow - Das Politmagazin
Ausgabe 14, Heft 1/00