Archiv für Dezember 2000

Forsa-Umfrage in Sachen Demokratie: Von wegen „Volksherrschaft“

Wir sollten stolz sein auf „unsere Demokratie“, erzählen uns die Medien und die Politiker der im Bundestag vertretenen Parteien, wir sollten sie respektieren, sie würdigen, sie schätzen, denn im Unterschied zur Diktatur würde nur ein demokratischer Staat den Willen des Volkes richtig erfassen und auch wirklich umsetzen.

Und was halten die Betroffenen davon?

Die Ende Dezember 2006 im Stern veröffentlichte Forsa-Umfrage belegt, dass die Kluft zwischen Politik und Bevölkerung noch nie so groß war. Danach vertreten 82 Prozent aller Deutschen (in Ostdeutschland 90 Prozent) die Meinung, dass die Politiker auf die Interessen des Volkes keine Rücksicht (!) nehmen. Nur 18 Prozent glauben, dass “das Volk etwas zu sagen hat”. Und lediglich fünf Prozent denken, dass man mit Wahlen “in starkem Maße” die Politik mitbestimmen könne.

Wenn aber 82 Prozent der Menschen ihre Interessen missachtet sehen, dann bedeutet das zugleich, dass sie die Demokratie gerade nicht als Form ihrer eigenen Herrschaft, als „Volksherrschaft“, betrachten, dass sie sich vielmehr übergangen fühlen und meinen, Minderheiten würden sie beherrschen. Fühlt sich aber die breite Masse fremden Machthabern unterworfen, dann muss sie notwendiger Weise auch grundlegenden Zweifel an der Wirksamkeit von Parlamentswahlen anmelden. Folgerichtig werden die Wahlen mehr als Makulatur und Blendwerk interpretiert, wodurch jedenfalls kein maßgeblicher Einfluss ausgeübt werden kann.

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