Archiv für Mai 2006

Blockaden auf dem Gebiet der Parasitenforschung

von Guenther Sandleben

“Auch hättest du, Mathematik studierend und Sternkunde anstatt Politik und Wirtschaft, weniger Betrug getroffen.
Die Sternbahnen werden nicht so verheimlicht als die Wege der Kartelle.
Der Mond klagt nicht auf Geschäftsschädigung.” Bertolt Brecht

Anders als im Bereich der Biologie stößt die moderne Parasitenforschung im Bereich des gesellschaftlichen Lebens auf erbitterten Widerstand. Freie wissenschaftliche Forschung wird hier mit Tabus belegt, Theorien, die über die systematische Ausnutzung von Leistungen anderer Auskunft geben könnten, werden von den Lehrplänen der Universitäten gestrichen, die entsprechenden wissenschaftlichen Werke sind längst aus den Regalen der meisten Bibliotheken verschwunden. Während die Biologen über den Parasitismus und seine vielfältigen Formen in der Natur, beispielsweise über den „Kleptoparasitismus“, unbefangen debattieren dürfen, kommt es den Sozialwissenschaftlern nicht einmal in den Sinn, eine vergleichbare Fragestellung auch nur aufzuwerfen. Lediglich in wenigen Nischen, gewissermaßen als eine Art Untergrundwissenschaft, ist der Parasitismus des gesellschaftlichen Lebens meist unter der Bezeichnung „Ausbeutung“ ein Gegenstand der Forschung geblieben.

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