Archiv für Oktober 2008

Zur Schöpfungsgeschichte des Michael Heinrich

von Horst Schulz

Als die katholische Kirche des Mittelalters die Ansichten des Aristoteles nicht mehr verhindern konnte, da hat sie sie theologisiert. Die seit Jahrzehnten beständigen Anstrengungen der bürgerlichen Fachideologen, ihren gefährlichsten Kritiker, Karl Marx, zu verbürgerlichen, also unschädlich zu machen, haben in jüngster Zeit eine besonders grobe Variante hervorgebracht. Dr. Michael Heinrich ist zwar kein richtiger Kirchenvater, aber er hält sich für berufen, die Marxsche Kritik der politischen Ökonomie von allerlei „Ambivalenzen“ zu befreien, die er dort gefunden zu haben meint, und verbreitet in immer neuen Schriftstücken (1) die „wahre Lehre“ des großen Kritikers. Dabei lässt er keine Gelegenheit aus, sich von den traditionellen Lesarten des „Kapital“ hochmütig abzusetzen, vor allem mit der nicht sehr hellen Behauptung, die herkömmlichen Marx-Anhänger hielten eine falsche Wertlehre für die richtige. Während diese verständnislosen Traditionalisten die Arbeitsmengen als den Inhalt der Warenwerte betrachten, käme nämlich der Inhalt in Wahrheit her von seiner Form. Nicht dem Arbeitsprozess entspringt der Wert nach Heinrich, sondern dem Austausch. Zum Beweis scheut er keine Deutung von Textstellen. Die richtige Wertlehre sei eine Wertformlehre, genauer: eine „monetäre Wertlehre“.

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Die große Krise von 2008. Ursachen, staatliches Krisenmanagement, Folgen

von Guenther Sandleben

Als Kanzlerin Merkel am 5. Oktober in Paris war, erzählte ihr Nicolas Sarkozy, dass er nachts um 4 Uhr 30 aus dem Bett geklingelt wurde: Monsieur le Président habe jetzt zwei Stunden Zeit, um ein Finanzinstitut zu retten, sonst vollstrecke der Markt das Todesurteil. Dabei schwang die Drohung mit, dass ein solches Todesurteil mit großer Wahrscheinlichkeit eine Kettenreaktion auslöst, die das gesamte Finanzsystem wie ein Kartenhaus zusammenbrechen lässt.

So erging es nicht nur dem französischen Präsidenten, ähnliche Szenen spielten sich zuvor in vielen Ländern ab, anfangs vor allem in den USA, dann aber auch in Europa und Asien. Der Markt, häufig als idealer Ort der Informationsbeschaffung, als optimaler Lenker für Produktion und Verteilung, als Schöpfer neuer Ideen schöngeredet, erweist sich als blinde, zerstörerische Macht, die dem Staat die Regeln aufzwingt. Und nun heißt die Regel nicht mehr, halte dich aus meinen Geschäften heraus, sondern sie heißt: Interveniere jetzt, damit ich auch in Zukunft noch bestehe und meine Geschäfte machen kann. Die neoliberale Regel ist in eine keynesianische umgeschlagen.

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Crash & Crisis. - Bankenkrach, Wirtschaftskrise, Dollar-Crash

von Guenther Sandleben

Spätestens seit der spektakulären Pleite der US-Bank Lehman Brothers und der Beinahe-Pleite des US-Versicherungsriesen AIG redet die Finanzwelt von der „schlimmsten Finanzkrise seit der Großen Depression 1929/1932“. Von der US-Notenbank Fed erhielt AIG gegen die Option auf eine 80-prozentige Beteiligung den dringend benötigten Kredit von 85 Mrd. US-$. In diesem Jahr sind bereits elf Finanzinstitute in Amerika Bankrott gegangen; von den fünf großen Investmentbanken sind noch zwei übrig geblieben, Goldman Sachs und Morgan Stanley. Unter dem Druck der Kreditkrise gaben selbst diese verbliebenen US-Investmentbanken ihren Sonderstatus auf und sind nun gewöhnliche Kreditbanken. Alan Greenspan, der ehemalige Präsident der US-Notenbank Fed sprach im US-Fernsehsender ABC News von einer Krise, wie sie nur alle 50 bis 100 Jahre vorkommt. „Das übertrifft ohne Zweifel alles, was ich je gesehen habe, und es ist längst noch nicht überwunden“.

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