Archiv für Januar 2016

Aktuelle Konjunktur- und Krisentheorien – ein kritischer Überblick

von Guenther Sandleben

Die große Wirtschaftskrise von 2008/09 hat nur für kurze Zeit das Interesse an einem tieferen Verständnis der zyklischen Krisen geweckt. Professoren der Ökonomie reagierten zunächst mit dem Eingeständnis, die Grundlagen der Wirtschaftstheorie seien fragwürdig und müssten überprüft werden, um auf diese Weise Krisen endlich erklären zu können. Andere wiederum meinten, in der keynesianischen Theorie schon eine zufriedenstellende Grundlage zur Erklärung der Krisensituation gefunden zu haben.

Mit der Stabilisierung des Weltmarktes seit Mitte 2009 sind die guten Absichten rasch verflogen. Alles geht weiter wie bisher. Die Lehre von der Harmonie und dem Gleichgewicht der Märkte dient nach wie vor dazu, Krisen als externe Schocks, als extern auftretende, zufällige Ereignisse zu verharmlosen.

Die linksorientierte Krisendiskussion fällt kaum weniger enttäuschend aus. Schon lange vor der großen Krise geriet sie in eine theoretische Sackgasse, als sie die Erkenntnisse der 1970er Jahre über Bord warf und mehr und mehr die Ursachen für das Krisengeschehen jenseits der kapitalistischen Warenproduktion suchte, vor allem in den angeblich neuen Entwicklungstendenzen auf den Finanzmärkten. Die Theorie vom „finanzmarktgetriebenen Kapitalismus” lief auf die Vorstellung hinaus, dass eine weitgehend intakte Produktionswirtschaft durch die Macht und den Verwertungszwang der Finanzmärkte in eine Krise gestürzt werde.

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