Parasiten als „Helden der Arbeit“ - Wer viel bekommt, hat viel geleistet

Die beiden Professoren Antonio Negri und Michael Hardt haben eine pfiffige Idee, die auch anderen Professoren, dazu den gut bezahlten Unterhaltern, Schriftstellern, Staatsbeamten, Politikern, Kulturschaffenden, Stars etc. gut gefallen wird. Sie verleihen der “affektiven Arbeit”, die dort geleistet wird, eine besondere wertschaffende Qualität. Die üppige Bezahlung solcher Dienste erhält ihre ökonomische Rechtfertigung.

Eine Hand wäscht die andere: Für seine Pfründe wertet der Ideologe die anderen Parasiten der Gesellschaft zum wertvollsten und unverzichtbaren Teil der Gesellschaft auf.

Alle Arbeit wird zunächst unter die Kategorie der „immateriellen Arbeit“ subsumiert.
Im Einzelnen unterscheiden Hardt/Negri drei Arten „immaterieller Arbeit“: die informalisierte industrielle Produktionsarbeit, die dem Computer angelehnten symbolisch analytischen Dienste, mit den Aufgabengebieten Problemerkennung, Problemlösung und strategische Makleraktivitäten und schließlich die „affektive Arbeit“. Diese höchste Form der „immateriellen Arbeit“ bezieht sich auf die „Herstellung von zwischenmenschlichen Kontakten und Interaktionen“ (Persönliche Dienstleistungen, fürsorgliche Arbeit, Gesundheitsdienste, Unterhaltungsindustrie und verschiedene andere Kulturindustrien) und soll ein „Gefühl des Behagens, des Wohlergehens, der Befriedigung, der Erregung oder der Leidenschaft“ (Michael Hardt (2002), Affektive Arbeit) vermitteln.
Der Umfang des Arbeitsbegriffs, der darin angedeutet ist, soll uns hier nicht interessieren. Wir werfen stattdessen einen Blick auf die Wertschaffende Seite: Die „affektive Arbeit“ nimmt einen bevorzugten Platz ein: „Tatsächlich ist die „affektive Arbeit“ als eine Komponente der immateriellen Arbeit in eine dominante Position mit höchster Wertschöpfung innerhalb der gegenwärtigen informationellen Ökonomie eingerückt“ (Hardt (2002), Affektive Arbeit). Warum dies so sein soll, erfahren wir nicht. Nirgends in ihrem Buch „Empire. Eine neue Weltordnung“ oder in dem Nachfolgeband „Multitude. Krieg und Demokratie im Empire“ haben die beiden gelehrten Herren die Wertschöpfung und ihre Quellen thematisiert.
Das Argument von der besonderen Wertschöpfungskraft affektiver Arbeit rechtfertigt die hohen Einkommen, die dort teilweise verdient werden. Wer viel bekommt, scheint auch viel geleistet zu haben. Da fallen einem natürlich nicht nur die Autoren ein, die „affektive Arbeit“ auf besonders „hohem Niveau“ ausüben, indem sie die intellektuelle „Menge“ mit ihren Einfällen unterhalten und sie „biopolitisch“ herrichten, sondern ebenso die Politiker, die hochbezahlten Unterhalter der Gesellschaft, das Show- und Sportbusiness. Die Herren Professoren sprechen für andere und in eigener Sache. Dabei sind sie keinesfalls originell, auch wenn sowohl ihre Gedankenlosigkeit als auch ihre Dreistigkeit überraschen muss, mit der sie die besondere Wertschöpfungskraft behaupten, ohne sich um eine Erklärung zu bemühen.
Bereits vor etwa 150 Jahren schrieb Karl Marx in Anlehnung an den Vater der politischen Ökonomie, Adam Smith, das Nötige zu den „zweitrangigen Burschen“ seiner Zeit, zu den „schulmeisterlichen Kompilatoren“ und „schönschreibenden Dilettanten“, denen es nur darum gehen würde, den Unterschied von produktiver und unproduktiver Arbeit zu verwischen, um ihr Parasitentum zu vernebeln.
„Der großen Masse sogenannter ‚höherer’ Arbeiter – wie der Staatsbeamten, Militärs, Virtuosen, Ärzte, Pfaffen, Richter, Advokaten usw. -, die zum Teil nicht nur nicht produktiv sind, sondern wesentlich destruktiv, aber sehr großen Teil des ‚materiellen’ Reichtums teils durch Verkauf ihrer ‚immateriellen’ Waren, teils durch gewaltsame Aufdrängung derselben sich anzueignen wissen, war es keineswegs angenehm (…) bloß als Mitkonsumenten, Parasiten der eigentlichen Produzenten (oder vielmehr Produktionsagenten) zu erscheinen (…). Es war also Zeit (…), die ‚Produktivität’ aller nicht direkt unter die Agenten der materiellen Produktion eingeschlossenen Klassen anzuerkennen. (…) Sowohl die Nichtstuer als ihre Parasiten mussten ihren Platz in der besten Weltordnung finden.“ (Karl Marx, Theorien über produktive und unproduktive Arbeit, in MEW 26.1., S. 145f)
Eine Hand wäscht die andere: Der Ideologe wertet die Parasiten der Gesellschaft zum wertvollsten und unverzichtbaren Teil der Gesellschaft auf, dafür räumen ihm seine Schützlinge als Gegenleistung Privilegien, wie hohes Gehalt, Anerkennung, komfortable Lebensumstände ein. Man kann sich gut vorstellen, was die „affektive Arbeit“ der Gelehrten unter solchen Umständen produzieren wird. Ihr „besonderer Wert“ kann nur darin bestehen, die Verhältnisse schön zu reden, sie vor dem Feuer der Kritik zu schützen und zu verewigen.

Berlin im Herbst, 2004

One Comment

  1. John:

    composite@concrete.decisive” rel=”nofollow”>.…

    tnx for info!!…

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